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ACHT­ZEHN­HUNDERT­EIN­UND­SECHZIG

DAS LI­TER­AR­ISCHE FURT­WANG­EN

Seine malerische Lage und die prägende Uhrmacherindustrie wurden auch nicht von Literaten übersehen. Im Jahre 1861 veröffentlichte Berthold Auerbach seinen Roman »Edelweiß«, der trotz des verwirrenden Titels das Leben und die um 1850 vorherrschende Not der Schwarzwälder Uhrenmacher thematisierte. In ihm beschreibt Auerbach das Leben eines einfachen Uhrmachers namens Lenz. Dieser heiratet das schöne Annele, die Tochter eines angesehenen Uhrenhändlers. Der Ehe der beiden soll Harmonie allerdings vergönnt bleiben, oder, um es in Auerbachs Worten zu sagen: »ihre Pendel schwingen eigensinnig«. Der Missmut der beiden steigt, als Lenz durch unglückliche Umstände sein gesamtes Kapital verliert. Als der Ehestreit seinem Höhepunkt zusteuert, wird das Haus der beiden von einer Lawine überschüttet. Am darauffolgenden Tag kann das Ehepaar allerdings gerettet werden und zeigt sich, zur Überraschung der Anwesenden, geläutert und harmonisch. Auerbach, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den beliebtesten Schriftstellern Deutschlands zählte, reiste zu Recherchezwecken nach Furtwangen. Zwar wird dieser Ort in seinem Roman nie beim Namen genannt, doch lassen die enthaltenen Beschreibungen nur den Schluss zu, dass es sich hierbei um Furtwangen handeln muss. Auch einige Nebenfiguren erinnern an Furtwanger Persönlichkeiten. So ist die Rede von einem von auswärts kommenden Maschinenbauern mit vorgewölbter Stirn und vollem Bart, bei dem es sich nur um Robert Gerwig, den Gründer der Uhrmacherschule, höchstpersönlich handeln kann.

1861, ACHTZEHNHUNDERTEINUNDSECHZIG, Literat, Literatur, Roman