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ACHT­ZEHN­HUNDERT­FÜNFZIG

EIN VISIO­NÄR WIRD IN DEN SCHWARZ­WALD BE­RUFEN

Am 15. März 1850 wurde Robert Gerwig aus Karlsruhe zum Schulleiter der Badischen Uhrmacherschule in Furtwangen ernannt. Er war zuvor an der Großherzoglichen Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaus tätig und hatte sich kurioserweise nie für das Amt des Schulleiters beworben. Gerwig sah sich stets dem Ingenieurswesen und der Industrie, insbesondere des Eisenbahngewerbes, verpflichtet. Dennoch wurde er nach Furtwangen berufen und sah sich gezwungen, dieser Anordnung zu folgen. Vielleicht beschwichtigte ihn die Tatsache, dass er seinen Dienst hauptsächlich im heimischen Karlsruhe ausüben und sich weiterhin nebentätlich an der Großherzoglichen Oberdirektion beschäftigen konnte.

Seine anderweitig gelagerten Interessen lassen sich etwa an Gerwigs Tätigkeit als Herausgeber des ersten Gewerbeblatts für den Schwarzwald erkennen. Dieser Aufgabe ging er in den Jahren 1852-1856 nach. Mit diesem Blatt wollte er die gesamte Uhrenindustrie fördern, indem neue Verfahrenswege und Techniken besprochen und analysiert wurden. In diesem Zusammenhang bat er auch die Bewohner des Schwarzwalds, der Uhrmacherschule alte Uhren zukommen zu lassen. Das Fundament des Uhrenmuseums wurde dadurch gelegt. Auf Grund seiner Unzufriedenheit mit seinem Dienstort hat sich Gerwig in seinen Jahren als Schulleiter immer wieder an die Badische Regierung mit dem Gesuch gewendet, ihn doch aus seinem Amt zu entheben. Nach vielfachen Drängen und beschleunigt durch die Tatsache, dass Gerwig mit der Planung der Linienführung der zukünftigen Schwarzwaldbahn beauftragt wurde, kam man seinen Bitten schließlich im Jahr 1857 nach. Gerwig wurde nach nur sieben Jahren aus Furtwangen verabschiedet. Er selbst hat wohl nie an der Uhrmacherschule gelehrt.

1850, ACHTZEHNHUNDERTFÜNFZIG, Gewerbehalle, Robert Gerwig, Uhrmacherschule