Interesse geweckt? Jetzt unverbindlich für Print-Version vormerken lassen.

ACHT­ZEHN­HUNDERT­FÜN­FZIG

IH­RER ZEIT VORAUS

Am 1. April 1850 wurde der Unterricht an der Badischen Uhrmacherschule aufgenommen. Bewerben konnte sich hierzu grundsätzlich jeder männliche Badener von mindestens 14 Jahren, wobei die Anträge von Schwarzwäldern bevorzugt behandelt wurden. Eine einführende sechswöchige Probezeit entschied anschließend darüber, ob die Anwärter weiterhin an der Uhrmacherschule lernen durften oder den Anforderungen nicht gerecht wurden. Der Unterricht war kostenlos, ganztägig und der Besuch freiwillig. Schon darin lässt sich die moderne Struktur der neu eröffneten Schule erkennen. Dieser Pioniergeist zeigte sich im Übrigen auch in der Tatsache, dass die Schüler zwar eine berufliche Grundausbildung vom Lehrling zum Gehilfen absolvierten, aber durchaus als sogenannte Multiplikatoren wirken sollten. Man versuchte, den Absolventen alles zu lehren, was sie dazu befähigen könnte, neue Mittel und Wege der Uhrmacherei zu begründen. Grundsteine hierfür wurden nicht nur durch das praktisch vermittelte Wissen gelegt, sondern auch durch die theoretischen Unterweisungen, die immerhin 25 % des Gesamtunterrichts ausmachten. Die Unterrichtszeiten umfassten ganze 63 Wochenstunden; Ferien gab es, wie in anderen Berufsschulen, ebenfalls keine. In den ersten Jahren hatte die Uhrmacherschule 18 Zöglinge in der Taschenuhr- und 17 in der Großuhrwerkstatt und galt damit als ausgelastet. Die Ausbildungsdauer lag in den Anfangsjahren im Ermessen des Schulleiters, hielt sich in der Regel aber an einen Richtwert von drei Jahren.

Mit ihren modernen Theorien und hochtechnisierten Einrichtungen stellte die Badische Uhrmacherschule eine Seltenheit, vielleicht auch Singularität im deutschen Bildungswesen dar.

1850, ACHTZEHNHUNDERTFÜNFZIG, Innovation, Schüler, Schulleiter, Uhrmacherschule